Statement zur Lage in der Ukraine

Erklärung von SI Europa zur Lage der Frauen in der Ukraine

Krieg ist nie geschlechtsneutral. Im Falle eines bewaffneten Konflikts leiden Frauen überproportional. Frauen zetteln selten Krieg an, sind aber am stärksten vom Krieg betroffen. In Friedensgesprächen sind sie in der Regel abwesend, wenn nicht sogar ausgeschlossen. 

Der Konflikt in der Ukraine darf uns nicht schweigen lassen. Wir fürchten um die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen von Frauen und Mädchen, die Verletzungen, den Verlust ihrer Häuser und ihrer Arbeitsplätze, Vertreibung, Schulverlust, Vergewaltigung und Tod erleiden können. Frauen sind viel anfälliger für Kriegsverbrechen als Männer. 

Wir fordern die Staaten auf, die Menschenrechte aller Frauen und Mädchen in der Ukraine uneingeschränkt zu achten, wie sie in der Menschenrechtskonvention des Europarats festgelegt sind, zu deren Einhaltung sich alle Mitgliedstaaten des Europarates verpflichtet haben, einschließlich Russland und der Ukraine. 

Wir fordern auch alle europäischen Länder auf, Bürger der Ukraine willkommen zu heißen, die aus der Kampfzone fliehen und Sicherheit suchen. Frauen und Mädchen sollten aufgrund ihrer größeren Verletzlichkeit besonderen Schutz erhalten. 

Unsere Organisation, Soroptimist International of Europe, ist in den meisten europäischen Ländern vertreten, einschließlich Russland und der Ukraine. Wir arbeiten an Projekten, die Frauen und Mädchen ausbilden, stärken und befähigen – bitte helfen Sie mit uns Frauen in Kriegsgebieten. 

Statement SI Deutschland zur Situation in der Ukraine 

Mitten in Europa herrscht nun Krieg – ein Zustand, den wir längst überwunden geglaubt haben. Jetzt ist es bittere Realität, die uns erschüttert und betroffen macht. 

Wir alle können nur erahnen, in welcher Angst die vom Krieg betroffene Bevölkerung derzeit lebt. Wo kann ich mich aufhalten, um möglichst sicher zu sein? Ist die Versorgung in Sachen Medizin und Lebensmitteln gewährleistet? Wie und wo überstehe ich die kommenden Monate? Es stellen sich viele quälende Fragen. 

Unser Mitgefühl, unsere Gedanken und unsere Solidarität sind nun bei den Menschen vor Ort. Bei allen, die um ihre Angehörigen und Freunde bangen. Bei allen Opfern und ihren Familien. Bei allen, die sich um die Zukunft unseres friedlichen Zusammenlebens sorgen. 

Ganz besonders denken wir als Soroptimist International Deutschland auch an die Frauen. Gemeinsam müssen mit höchster Priorität alle Anstrengungen unternommen werden, um Frauen – genauso wie Kinder – zu schützen und in Sicherheit zu bringen! All unseren Partner-Clubs von Soroptimist International sagen wir hiermit unsere uneingeschränkte Unterstützung zu! 

Auch für sie müssen wir als Gemeinschaft agieren. Es gilt, unsere freiheitlichen und demokratischen Werte nach außen zu tragen und sie zu schützen. Jegliche Formen von Gewalt führen NIE zu Verbesserungen und der Krieg muss umgehend gestoppt werden! Wir dürfen unsere Augen vor den Gräueln des Krieges nicht verschließen, sondern jeglichen Dialog unterstützen. 

Eure Anne Dörrhöfer, Präsidentin 2021-2023
Soroptimist International Deutschland

Literaturabend mit Gästen

Inhaberin Uscha Kloke und Diplom-Bibliothekarin Andrea Martin vom Botnanger Buchladen stellen uns schon seit vielen Jahren ihre Favoriten des Jahres vor, jedes Jahr im November. Nur einmal musste der Abend ausfallen, 2020 wegen der Pandemie. Wir haben uns gefreut, dieses Jahr mit Vorsichtsmaßnahmen den „Bücherabend“ weiterführen zu können. Insgesamt 16 ausgewählte Bücher haben Frau Kloke und Frau Martin vorgestellt.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Soroptimist International hat Frau Kloke drei Bücher einer besonderen Autorin mitgebracht. Die Autorin ist Gabriele Tergit, geboren 1894 in Berlin als Elise Hirschmann, Tochter aus einem wohlhabenden deutsch-jüdischen Elternhaus. Sie gehörte 1930 zu den Gründungsfrauen des Berliner Soroptimist-Clubs, der erste Club von Soroptimist International in Deutschland. Sie starb 1982 in London.

Frau Kloke erzählte über eine der bekanntesten Journalistinnen der damaligen Zeit: „Gabriele Tergit begann früh zu schreiben und wurde eine der ersten Gerichtsreporterinnen der Weimarer Republik. Sie publizierte in der renommierten Vossischen Zeitung und mit dem geschärften Blick der Gerichtsreporterin beobachtete sie früh die politischen Entwicklungen und die Verrohung in der deutschen Gesellschaft. Weil sie Jüdin war und obendrein klug und mutig und sowohl die sozialen Verhältnisse anprangerte als auch früh die Ideologie der Nazis kritisierte, musste sie bald nach Hitlers Machtergreifung emigrieren. Ihr ganzes Leben hindurch hat sie geschrieben. Obwohl Gabriele Tergit unbedingt in eine Reihe mit Kurt Tucholsky oder Erich Kästner gehört, geriet sie – wie so viele Frauen in der Literaturgeschichte – in Vergessenheit“.

Neben Gabriele Tergits berühmten Romanen „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ (1931) und „Effingers“ (1951) stellte Frau Kloke den Roman „So war’s eben“ vor, eine Ersterscheinung aus dem Nachlass der Autorin. Dieser zum Teil autobiografische Generations- und Zeitroman über den Untergang des jüdischen Bildungsbürgertums in Berlin bis hin zur Flucht ins Exil, fand zu ihrer Lebzeit keinen Verlag. Sogar der renommierte Lektor beim Rowohlt Verlag, Fritz Raddatz, lehnte das Manuskript ab. Der Literaturwissenschaftlerin Nicole Henneberg ist es zu verdanken, dass Gabriele Tergit posthum wiederentdeckt wurde. Sie ist auch Herausgeberin der Neuauflagen dieser Bücher. 

„Ihr aktuelles Buch ‚So war’s eben‘ ist komplexer erzählt als die beiden anderen Bücher, und doch hat es mich persönlich am meisten begeistert, weil man ausgesprochen viel über den Alltag und insbesondere das Frauenleben in den Jahren zwischen 1890 und den 1950er Jahren erfährt“, ergänzt Frau Kloke abschließend.

Wir danken Uscha Kloke und Andrea Martin für den interessanten Abend und ihre vielfältigen Empfehlungen!